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Schlüssel zur Bestimmung der optimalen Flächenwahl und zum standörtlich angepassten Anlageverfahren (Ansaatmischungen, Saatstärken, Saatverfahren) bei der Wiederherstellung artenreicher Wiesen

Zum Einstieg

Der nachfolgende Schlüssel richtet sich an Berater, Planer und engagierte Landwirte. Er soll dazu dienen, diejenigen Massnahmen zu eruieren, die in der gegebenen Situation - d.h. bezüglich Boden/Standort, bestehende Vegetation und landschaftliches Umfeld - zu einem optimalen Ergebnis bei der Wiederherstellung von blumenreichen Heuwiesen führen. Es werden dabei generell nur landwirtschaftlich praktikable Methoden empfohlen.

Der Schlüssel ist einfach anwendbar und erfordert lediglich Grundkenntnisse zur Bestimmung der gegenwärtigen Vegetation und des Bodentyps. Es ist empfehlenswert, den Schlüssel im gemeinsamen Gespräch zwischen Berater und Landwirt oder zwischen mehreren Landwirten anzuwenden.

Die Entscheidungsfindung erfolgt über vier klar definierte Schritte. Jeder Schritt wird anhand einer separaten Entscheidungstabelle durchgeführt.

Der Schlüssel wurde für das Schweizerische Mittelland entwickelt.Sofern für andere Regionen Anpassungen nötig sind, ist dies jeweils vermerkt.

Die Empfehlungen basieren auf umfangreichen, rund 10-jährigen Feldversuchen und einer Literaturauswertung. Details und Hintergrundinformationen siehe:

Bosshard A. (1999): Bosshard A. 1999: Renaturierung artenreicher Wiesen auf nährstoffreichen Böden. Ein Beitrag zur Optimierung der ökologischen Aufwertung der Kulturlandschaft und zum Verständnis mesischer Wiesen-Ökosysteme. Dissertationes Botanicae Band 303 Stuttgart. 201 S. Für die Online-version hier klicken.

Bosshard A. 2000: Blumenreiche Heuwiesen aus Ackerland und Intensiv-Wiesen. Eine Anleitung zur Renaturierung in der landwirtschaftlichen Praxis. Naturschutz und Landschaftsplanung 32/6, 161-171.

Der Einstieg in den Schlüssel erfolgt über Schritt 1. Ihre Antworten auf die gestellten Fragen führen Sie von Schritt zu Schritt weiter, bis Sie auf die Lösung - die empfohlene Massnahmenkombination - stossen.

 

Schritt

Nötige Abklärungen

Schritt I: Landschaftliche Situation einschätzen

Studium des Betriebsplanes und/oder von Vegetations- und Standortkarten, im Rahmen von detaillierteren Planungen (z.B. Landschaftsentwicklungskonzepte) auch aktuelle Kartierung durchführen

Schritt II: Ausgangs-Vegetation beurteilen

(siehe dazu à Tabelle 2)

Vor Ort bestimmen

Schritt III: Standort beurteilen

(siehe dazu à Tabelle 3)

Vor Ort bestimmen, wo vorhanden mit Hilfe von Standort- und Bodenkarten

Schritt IV: Zusammenstellung der optimalen Mischung und Ansaatmethode

(siehe dazu à Tabelle 4)

à Ausführung

 

Schritt I: Optimale Lage aufgrund landschaftlicher Situation eruieren

Das nachfolgende Vorgehen bei Schritt 1 dient dazu, die geeignetste(n) Parzelle(n) auf dem Landwirtschaftsbetrieb oder in einer bestimmten Landschaftskammer zu bestimmen.

à Wo die Flächenwahl bereits definiert ist, kann Schritt 1 übergangen werden.

Bei der Auswahl von aufzuwertenden Flächen gilt in der Regel folgende Prioritätenfolge:

  1. Bestehende wertvolle Lebensräume arrondieren zur Vermeidung negativer Immissionen
  2. Restbestände aufwerten (Restbestand im Sinne von sehr kleinen Flächen oder im Sinne, dass nur noch einzelne Arten, die in den Mischungen von Tabelle 4 enthalten sind, vorhanden sind)
  3. Für die Renaturierungsziele günstige Standorte wählen
  4. Extensivwiesen zur Verhinderung von Grundwasserbelastung, Erosionsgefährdung oder einer Mineralisierung von Torfböden ansäen
  5. Flächen, welche eine wichtige Vernetzungs- oder Trittsteinfunktion erfüllen, renaturieren

In der Praxis geben natürlich oft auch andere Gründe den Ausschlag, welche Fläche für eine Renaturierung in Frage kommt, oder die Prioritäten müssen anders gesetzt werden. So kann der Grundwasserschutz in einer empfindlichen Zone Vorrang haben vor der Arrondierung bestehender wertvoller Lebensräume.

Vorgehen: Folgende Teilschritte sind der Reihe nach zu vollziehen:

  1. Bestehende blumenreiche Wiesen und andere wertvolle Biotope innerhalb des fraglichen Perimeters auf Plan einzeichnen
  2. Restbestände artenreicher Wiesen eruieren (im Feld) und auf Plan einzeichnen
  3. Schlechte Standorte (Wiesen- und Ackerbau) auf Plan einzeichnen aufgrund der Erfahrung der Bewirtschafter oder, falls vorhanden, mittels Boden- oder Standorts(eignungs)karte
  4. Weitere Zielflächen auf Plan einzeichnen (Grundwassergefährdungs, Erosionsgefährdung oder Mineralisierungsprobleme von Torfböden)
  5. Mögliche Rand- und Eckflächen wählen, die als Vernetzungs- und Trittsteinflächen zwischen vorhandenen oder geplanten wertvollen Lebensräumen geeignet wären
  6. Aufgrund von obiger Reihenfolge (a bis e) die günstigsten Parzellen(teile) ausscheiden, bis gewünschter Anteil der blumenreichen Heuwiesen erreicht ist
  7. Für jede der ausgeschiedenen Parzellen die nachfolgenden Schritte 2-4 durchgehen.

 

Schritt II: Ausgangsbestand beurteilen

In Schritt 2 wird der bestehende Pflanzenbestand auf der für die Renaturierung ausgewählten Fläche im Feld beurteilt. Die Pflanzen, die vor Ausführung der Renaturierungsmassnahmen auf der Fläche wachsen, geben wichtige Hinweise

  • über die im Boden vorhandene Samenbank und damit auf das Potential, ohne Einsaat das angestrebte Ziel zu erreichen,
  • über allenfalls bessere Alternativen zur Wiesenansaat,
  • aber auch zumund über den Unkrautdruck, der nach der Ansaat auf der Fläche zu erwarten ist und dem mit unterschiedlichen Massnahmen begegnet werden muss.

Vorgehen:

Sie beginnen mit der Einstiegsfrage in der nachfolgenden Tabelle 2 und beantworten die hier gestellte Ja-Nein-Frage. Von da aus werden Sie Schritt um Schritt durch die Tabelle geführt. Je nach Ihren Antworten, die Sie auf die gestellten Fragen geben, werden Sie zu weiteren Fragen in dieser Tabelle (Fragen 1-9) oder zu einer der Zeilen in der folgenden Tabelle 3 (Zeilen A bis D) weiterverwiesen - oder Sie sind bereits bei einer Lösung angelangt, können sich also die Beantwortung weiterer Fragen bzw. die Durchführung weiterer Schritte ersparen.

Tabelle 2:

Frage Nr.

Frage

Wenn Antwort

à weiter bei...

Einstiegs- frage

Fläche bisher als Ackerland (Fruchtfolgefläche) genutzt?

ja

nein (also insbesondere Dauerwiesland)

Frage Nr. 1

Frage Nr. 7

1

Fläche weist regelmässig seltene Ackerbeikräuter auf?

ja

nein

X*)

Frage Nr. 2

2

Wiese mit geeignetem Ausgangsbestand***) für Heugrassaat auf Betrieb oder in naher Umgebung vorhanden und verfügbar?

ja

nein

Tab. 3, Zeile A

Frage Nr. 3

3

Waren in bisheriger Vegetation mittlere oder hohe Anteile von stumpfblättrigem Ampfer vorhanden (> 0.2 Pflanzen pro m2)?

ja

nein

Y*)

Frage Nr. 4

4

Fläche mit sehr geringem Unkrautdruck mehrjähriger Arten (Arten wie Trifolium rep., Lolium-Arten, Poa triv., Taraxacum officinale zusammen <5% in der Stoppelbrache im April)?

ja

nein

Tab. 3, Zeile B

Frage Nr. 5

5

Fläche bei längerem Fehlen einer bodenbedeckenden Vegetation erosionsgefährdet?

ja

nein

Z*)

6

6

Alter Wiesenbestand, in dem mindestens 8 Arten aus Tab. 4 regelmässig vorkommen, in maximaler Distanz von 15 m?

ja

nein

Tab.3, Zeile C

Tab.3, Zeile D

7

Bereits bisher Wiesland:

  • Bestand lückig und /oder Ertrag unter 80 kg/a/Jahr Trockensubstanz (TS)?
  • - Bestand wüchsig, Ertrag höher als 80 – 100 kg/a/Jahr TS?

 

ja

 

ja

 

Frage Nr. 8

 

x**)

8

Mindestens 3 Arten aus Tab. 4 sind regelmässig im Bestand vorhanden (geringe Anteile genügen, diese dürfen sich aber nicht nur auf Randbereiche beschränken)?

ja

nein

y**)

Frage Nr. 9

9

Alter Wiesenbestand, in dem mindestens 8 Arten aus Tab. 4 regelmässig vorkommen, in unmittelbarer Umgebung ( <20 m Abstand) der Fläche vorhanden?

ja

nein

y**)

z**)

*) X = keine Ansaat, sondern extensive Ackerbau-Nutzung im Sinne eines Feldflora-Reservates

Y = Zwei Jahre gut deckende, nährstoffzehrende Zwischenkulturen ohne Düngung und ohne Leguminosen anbauen, z.B. Westerwoldisches Raigras, Chinakohlrübsen, Grünschnittroggen; danach möglichst geringe Bodenbearbeitung, anschliessend à weiter bei 5

Z = Heugrassaat (s. Text) mit doppelter Auflagemenge, bei nicht optimalem Ausgangsbestand zusammen mit halber Saatstärke der empfohlenen Mischung ansäen, oder Ansaat einer Deckfrucht gleichzeitig mit der empfohlenen Mischung, z.B. Grünschnittroggen, Gerste (jeweils max. ¯ der üblichen Saatstärke). Zur Bestimmung der geeigneten (empfohlenen) Mischung à weiter bei 6

**) x = Entweder ganzen Bestand umbrechen und weiter bei à 1, oder Bestand ohne Düngung und unter Vielschnittnutzung ausmagern lassen, bis Bestand lückig wird und Ertrag unter 80 kg/are/Jahr Trockensubstanz fällt, dann à z

y = extensive Nutzung (i.a. auch ohne Mist-Düngung) ohne weitere Massnahmen

z = In Abständen von 10-20 m (2-)3 m breite Streifen in den bestehenden Bestand fräsen (2 – 3 Mal in zweiwöchigem Abstand, bis vegetationsfreies Saatbett) und Ansaat gemäss Zeile D in Tab. 3 oder Heugrassaat (s. unter Z, 10 Zeilen weiter oben). Doppelte Saatmenge der Wiesenblumenkomponente empfohlen.

***) Gute FromentalGlatthaferwiesen (Arrhenatheretum) oder Trespen-Halbtrockenrasen (Mesobrometum), allenfalls auch Streuwiesen (Molinion). Mit "gut" sind insbesondere folgende Attribute gemeint: blumenreich, arm an Weissklee und Rotklee (Trifolium repens und pratense; zusammen weniger als 5% Grünmassenanteil), Wiesen-Labkraut (Galium album; <1% Grünmassenanteil), Honiggras und Raigras (Holcus lanatus und Lolium perenne/multiflorum; insgesamt weniger als 1% Grünmassenanteil). Zudem sollten die Feuchtigkeitsverhältnisse der Herkunftsfläche ungefähr mit denjenigen der Zielfläche übereinstimmen.

 

 

Schritt III: Standort beurteilen

Die Standorteigenschaften entscheiden in den meisten Fällen sowohl über die Wahl der Mischungen wie über die geeigneten Ansaatverfahren.

Vorgehen:

  1. Kreuzen Sie diejenige Zeile in Tabelle 3 an, auf die Sie in Schritt II verwiesen wurden.
  2. Lesen Sie die Standortsbeschriebe durch, die in der obersten Zeile von Tabelle 3 enthalten sind. Machen Sie ein Kreuz bei der richtigen Standortbeschreibung.
  3. Suchen Sie dasjenige Feld in der Tabelle, das den Schnittbereich bildet zwischen der angekreuzten Zeile und der angekreuzten Kolonne. Hier finden Sie die geeignetste Renaturierungsmethode für die von Ihnen ausgewählte Parzelle kurz beschrieben.
  4. Für die Zusammenstellung der beschriebenen Mischung gehen Sie zu Schritt IV.

Tabelle 3: Entscheidungsschlüssel Schritt III zur Beurteilung des Standortes.

Anmerkungen:

Im Schnittpunkt zwischen gewähltem Zeilen- und Kolonnenkopf (Anleitung im Text) sind die empfohlenen Ansaattechniken und - nach dem Schrägstrich - die empfohlenen Mischungskomponenten aufgeführt. Die Zusammensetzung der Mischungskomponenten ist in Tabelle 4 beschrieben.

Wo bei der hier empfohlenen Lösung nichts anderes vermerkt, werden die Grasgrundmischungen 2E und 4E immer zusammen mit der Leguminosenkomponente Leg ausgesät. Ohne Angabe werden die üblichen, in Tabelle 4 angegebenen Saatmengen empfohlen.

Zeile D:Typische Situation im Schweizer Mittelland.

Standortsverhältnisse

(von links nach rechts zunehmend extremere Bedingungen)

Kolonne Nr.:

1

2

3

4

5

Zutreffendes ankreuzen:

O

O

 

O

 

O

 

O

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zeile Nr.

Eher bis sehr tiefgründiger, guter Ackerboden (oder Phosphor über 100 ppM) mit ausgeglichenem Wasserhaushalt

Schwerer Boden oder ehemaliger Moorboden mit ausgeglichenem Wasserhaushalt

Boden zu Vernässung neigend (feucht oder wechselfeucht bis wechselnass)

Boden durchlässig oder flachgründig oder entlang südexponiertem Waldrand, zur Austrocknung neigend

Besonders extreme Standortbedingungen (Rohboden, sehr schattig, wechselnass, sehr trocken etc.)

O

A

 

(geeigneter Ausgangsbestand für Heugrassaat vorhanden)

Pflügen / HGS2, ev. in Verbindung mit einer gleichzeitigen Ansaat von 60 gr pro a Grasgrundmischung 2E (ohne Leguminosen!)

Pflügen / 1e 3 oder 2E mit FI bzw. FII (falls Nässezeiger in Beikrautflora regelmässig vorhanden) oder HGS2

Pflügen / HGS2: Herkunft je hälftig von feuch-ter Magerwiese und Streuwiese

Pflügen / HGS2

Pflügen / HGS2

O

B

 

(Fläche mit sehr geringem Unkrautdruck mehrjähriger Arten)

Zweimaliges Eggen / Mischung 2E mit FI

Zweimaliges Eggen vor Ansaat / 2E mit FI oder FII (falls Nässezeiger in Beikrautflora regelmäs-sig vorhanden)

Stoppelsaat oder ev. zweimaliges Eggen / 2E mit FII

Stoppelsaat / 4E mit FIIIs oder FIIIt

Stoppelsaat / 4E mit FIIIs, FIIIt oder FIIIf; zusammen mit 12 gr/a Leg-Kompo-nente

O

C

 

(Zielarten in unmittelbarer Umgebung)

Pflügen / 2E 60 gr/a mit je 4 gr/a Leg und FI

Pflügen / 2E mit FI oder FII (falls Nässezeiger in Beikrautflora regelmässig vorhanden)

Spontanbegrünung nach Stoppelbrache oder Ansaat von 4E 100 gr/a ohne F- und Leg-Komponente

Spontanbegrünung nach Stoppelbrache oder Ansaat von 4E 100 gr/a ohne F- und Leg-Komponente

Spontanbegrünung nach Stoppelbrache oder Ansaat von 4E 100 gr/a ohne F- und Leg-Komponente

O

D

 

(keine Zielarten in unmittelbarer Umgebung)

Pflügen1 / 2E mit FI

Pflügen1 / 1e 3 oder 2E mit FI bzw. FII (falls Nässezeiger in Beikrautflora regelmässig vorhanden)

Pflügen1 / 4E mit FII oder FIIIf

Pflügen1 / 4E mit FIIIs oder FIIIt

Pflügen1 / 4E mit FIIIs, FIIIt oder FIIIf; 14 gr/a

Leguminosen -Komponente

Legende:

Zutreffendes ankreuzen (O): gelbe Kolonne (Zellen A - D) gemäss Schritt 2 /Tabelle 2, gelbe Zeile (Zellen 1 - 5) gemäss in der Zelle gegebenem Beschrieb.

Anmerkungen:

1 Bei Fruchtfolgeflächen; bei bestehenden Wiesen: dreimaliges Fräsen anstelle von Pflügen, s. Text.

2 HGS = Heugrassaat, s. Text Abschnitt 2.I a).

3 1e entspricht der Gräserkomponente der bestehenden Schweizer Standardmischung SM 450 (geringe Unterschiede zu Gräserkomponente 2E).

 

 

Schritt IV: Mischung zusammenstellen

Die empfohlenen Mischungskomponenten wurden in den Schritten 2 oder 3 mit den entsprechenden Abkürzungen bezeichnet. Hier finden Sie Richtwerte für die Zusammensetzung dieser Komponenten und Hinweise, wie die jeweilige Artenzusammensetzung aunf regionale Besonderheiten angepasst werden kann.

Dabei ist folgendes zu beachten:

a) Erläuterungen zur Zusammenstellung der Mischungen:

Die meisten Mischungen werden aus drei Bausteinen oder Komponenten zusammengestellt: aus einer von zwei Grasgrundmischungen (bezeichnet mit 2E und 4E), einer (überall gleichen) Leguminosenkomponente sowie einer von drei Wiesenblumenkomponenten ( FI, FII und FIII). In Ausnahmefällen wird auch die Verwendung von nur einer oder zwei Komponenten empfohlen.

Die Wiesenblumenkomponenten FI und FII sind eine leicht verbesserte Variante der in der Schweiz häufig verwendeten, relativ preisgünstigen Mischungen "Salvia" und "Humida". FI und FII sind für mittlere bis wüchsige Standorte – z.B. schwere, humusreiche, bis anhin intensiv genutzte Böden mit gutem Nährstoffnachlieferungsbedingungen – zusammengestellt. Bei der Wiesenblumenkomponente FIII, die extremeren Standorten vorbehalten ist, handelt es sich um eine neue, deutlich artenreichere und entsprechend teurere Mischung als FI und FII. Da einerseits der extremere Standortsbereich von trocken bis feucht ein weites Spektrum aufweist und pro Standort jeweils nur noch relativ spezialisierte Arten für eine Ansaat infrage kommen, und andererseits der Saatgutpreis hoch ist, wurde die Mischung FIII in drei standörtlich differenzierte FIII-Mischungen s, t und f mit den jeweils derzeit im Handel verfügbaren regionalheimischen Ökotypen aufgegliedert (s. Tab. 4 unten): s für Saumstandorte, t für trockene Ackerstandorte, und f für wechselnasse oder feuchte Ackerstandorte. Die FIII-Mischungen werden jeweils mit einem Drittel der Wiesenblumenkomponenten FI/FII verwendet und immer zusammen mit der "konkurrenzschwachen" Grasgrundmischung 4E ausgesät.

b) Einschränkungen und regionale Anpassungen:

Die hier zusammengestellten Mischungen sind auf das Schweizer Mittelland und tiefere Lagen der Nordostschweiz ausgerichtet und können im Handel (z.B. UFA-Samen) bezogen werden. Ein relativ einfaches, mit den hier genannten Prinzipien übereinstimmendes System ist in der Schweiz ab dem Jahre 2001 von der Forschungsanstalt FAL Zürich-Reckenholz für die Landwirtschaft unter den Bedingungen im sSchweizerischen Mittelland in Ausarbeitung (Neuauflage von Lehmann et al. 1998).

Es muss regionalen Initiativen vorbehalten bleiben, für andere Regionen angepasste Mischungsvorschläge zu erarbeiten. Die Grundprinzipien können dabei direkt übernommen werden durch einen Austausch ähnlicher Arten. Bei den Gräsern und Leguminosen wird dies nur in geringem Umfang oder gar nicht nötig sein; die Artenwahl der Wiesenblumen ist hingegen ganz auf das lokale Arteninventar und die Verfügbarkeit von Saatgut regionaler Herkunft auszurichten, was aufgrund der geringen Wirkung der Wiesenblumen auf die Bestandesentwicklung aber im allgemeinen auch bei ganz anderer Artenzusammenstellung unproblematisch ist. Auf jeden Fall geht Echtheit (geeignete, regionale Herkunft und geeignete Ökotypen) vor Vielfalt der Arten in der Mischung! – Wo kein geeignetes Saatgut verfügbar ist und/oder artenreiche Extensivwiesen noch mehr als 5% des Grünlandes ausmachen, sollten generell lediglich Renaturierungen über Heugrassaat oder Spontanbegrünungen in Betracht gezogen werden.

 

Tabelle 4: Beschreibung der empfohlenen Ansaatmischungen (gemäss Antworten aus Schritten 2 bzw. 3).

Legende:

e Von diesen Arten sowie allen Arten der FIII wird im Schweizer Handel Saatgut regionalheimischer Ökotypen angeboten.

e? Aufbau der Saatgutvermehrung regionalheimischer Ökotypen vordringlich.

Artenzusammensetzung

Mischungsbezeichnung und Gewichtsanteile (%)

Grasgrundmischung (GrGM)

Knaulgras Reda (Dactylis glomerata)

Wiesenschwingel Predix (Festuca pratensis)

Rohrschwingel (Festuca arundinacea)

Wiesenrispengras Jori (Poa pratensis)

Rotschwingel Roland (Festuca rubra)

FromentalGlatthafer e? (Arrhenatherum elatius)

Goldhafer e? (Trisetum flavescens)

Aufrechte Trespe e (Bromus erectus)

Geruchgras e (Anthoxanthum odoratum)

Zittergras e (Briza media)

Flaumhafer e (Helictotrichon pubescens)

2E

2

28

5

10

15

15

7

14

2

1

1

4E

12

3

10

30

2

35

1

3

4

Total normale Saatstärke (gr/a)

100-140

140

Leguminosenkomponente (Leg)

Schotenklee e (Lotus corniculatus)

Rotklee e (Trifolium pratense)

Hopfenklee e (Medicago lupulina)

Esparsette e (Onobrychis viciifolia)

 

Leg

38

7

30

25

 

 

 

 

Total normale Saatstärke (gr/a)

 

8

 

Wiesenblumenkomponente (Flora)

Wiesenmargerite e (Chrysanthem. leucanthemum)

Wiesenbocksbart e (Tragopogon orientalis)

Wiesenflockenblume e (Centaurea jacea)

Wiesenkümmel e (Carum carvi)

Zweijähriger Pippau e (Crepis biennis)

Wiesenglockenblume e (Campanula patula)

Spitzwegerich e (Plantago lanceolata)

Rauher Löwenzahn e (Leontodon hispidus)

Wilde Möhre e (Daucus carota)

Ackerwitwenblume e (Knautia arvensis)

Skabiosen-Flockenb. e (Centaurea scabiosa)

Kleiner Wiesenknopf e (Sanguisorba minor)

Gewöhnliches Leimkraut e (Silene vulgaris)

Kuckucks-Lichtnelke e (Lychnis flos-cuculi)

Wiesensalbei e (Salvia pratensis)

Grosse Bibernelle (Pimpinella maior)

Pastinak (Pastinaca sativa)

Ferkelkraut (Hypochoeris radicata)

Kohldistel e (Cirsium oleraceum)

Taglichtnelke e (Silene dioeca)

Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis scorpioides)

Kleine Brunelle (Prunella vulgaris)

Fioringras (Agrostis alba)

FI

7

10

7

10

2

1.5

3

3

3

12

6

4

4

8

12

3

3

3

FII

5

10

7

10

2

2

3

3

3

10

6

4

2

12

 

 

 

4

10

3

3

(10)

FIII

zusätzlich zu ¯ der Saatmenge von FI bzw. FII.

Zusammensetzung von FIII siehe

unten.

 

 

 

Total normale Saatstärke (gr/a)

8

8

3 (FI oder FII) + 6 (FIII)

 

Für FIII werden drei Varianten empfohlen:

FIIIs: für magere, trockene Saumstandorte, d.h. in der Regel schmale Flächen entlang linienförmigen Landschaftselementen: 3 gr/a FI und 6 gr/a FIIIs mit folgender Zusammensetzung: Achillea millefolium, Agrimonia Eupatoria, Anthyllis vulneraria, Aquilegia atrata und vulgaris, Buphthalmum salicifolium, Campanula glomerata*, Campanula Rapunculus, Cichorium intybus, Crepis capillaris, Crepis taraxacifolia, Festuca ovina, Galium verum, Helianthemum nummularium, Hieracium pilosella, Hippocrepis comosa, Hypericum sp., Lathyrus pratensis, Leontodon autumnale, Malva moschata, Origanum vulgare, Picris hieracioides, Primula veris, Prunella vulgaris, Prunella grandiflora, Ranunculus bulbosus, Satureja acinos, Scabiosa columbaria, Senecio erucifolius/jacobaea, Silene nutans, Stachys officinalis, Stachys recta, Thymus pulegioides, Verbascum sp., Vicia cracca.

FIIIt: für trockene Böden: 3 gr/a FI und 6 gr/a FIIIt mit folgender Zusammensetzung: Achillea millefolium, Ajuga reptans, Anthyllis vulneraria, Briza media, Campanula glomerata, Campanula Rapunculus, Dianthus carthusianorum, Festuca ovina, Galium verum*, Hieracium pilosella, Hippocrepis comosa, Lathyrus pratensis, Leontodon autumnale, Picris hieracioides, Primula veris, Prunella vulgaris, Ranunculus bulbosus, Scabiosa columbaria, Silene nutans, Stachys officinalis, Thymus pulegioides, Veronica teucrium,Vicia cracca.

FIIIf: für feuchte oder wechselnasse Böden: 3 gr/a FII und 6 gr/a FIIIf mit folgender Zusammensetzung Achillea millefolium, Ajuga reptans, Aquilegia atrata oder vulgaris, Bellis perennis, Briza media, Cardamine pratensis, Galium verum, Lathyrus pratensis, Primula elatior und veris, Prunella vulgaris, Ranunculus bulbosus, Stachys officinalis (und weitere entsprechende Arten je nach Verfügbarkeit im Handel).

Saatmengen: Pro Art 1-2 Samen pro m2, bei unterstrichenen Arten 5-10 Samen pro m2.

 
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