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AgriKuuL - Pilotprojekt Agri-Kultur und Landschaft im Zürcher Tössbergland

Ziel des Pilotprojektes AgriKuuL war die gesamtbetriebliche Optimierung und Professionalisierung landschaftsökologischer, landschaftsästhetischer und agrikultureller Leistungen in der Landwirtschaft. Daraus soltlen sowohl die Natur wie die Wirtschaftlichkeit der Betriebe profitieren. Das Projekt dauerte von 2001 bis 2007 im Zürcher Tössbergland. Ein umfassenderes Nachfolgeprojekt ist im Aufbau.

Sieben Landwirtschaftsbetriebe beteiligten sich am Projekt. Sie bewirtschaften knapp die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Perimeter der Melioration Fischenthal Ost, im Herzen des BLN-Objektes Hörni-Bergland, das zu einer der artenreichsten Regionen der Schweiz gehört. Mehr als die Hälfte beispielsweise der Tagfalter- und Pflanzenarten kommen allerdings nur infolge der (naturnahen) landwirtschaftlichen Bewirtschaftung vor. Mit dem hohen Anteil sehr steiler Flächen, der an abgelegene Alpentäler erinnert, mit den kargen Böden und hohen Niederschlägen ist diese Bewirtschaftung allerdings heute mehr denn je gefährdet.

Grundlage für die Teilnahme der Betriebe am AgriKuuL war eine gesamtbetriebliche Zertifizierung, für die umfassende Anforderungen im Bereich Natur, Landschaft und Agrikultur erfüllt werden mussten. Für ihre Zusatzleistungen wurden die Betriebe finanziell unterstützt. Die Höhe des Beitrages richtete sich nach der in den Betrieb investierten Arbeitskraft sowie der Agri-KuulL-Anforderungsstufe (2 Stufen).

Ausführendes Organ des Agri-KuuL war eine breit abgestützte Trägerschaft mit Vertretern aus der Landwirtschaft, dem Naturschutz und verschiedenen Ämtern. Finanziert wurde das Projekt durch den Fonds Landschaft Schweiz und den Zürcher Fonds für Gemeinnützige Zwecke.

Das Projekt hat 2003 einen Hauptpreis der "Goldenen Lerche" und den Lebensraumpreis der Schweizerischen Vogelwarte Sempach erhalten. Angeschoben wurde das Projekt durch Landwirte der Region zusammen mit dem Büro Ö+L.

Details zum Projekt

erfahren Sie auf der AgriKuuL Projekt-Homepage, zu einzelnen Teilprojekten unten auf dieser Seite

 


 

Teilprojekte (Auswahl)

Alternativen zum fixen Schnittzeitpunkt der Ökowiesen

Dass der 15. Juni, der Tag, an dem im Talgebiet bei günstiger Witterung fast alle Ökowiesen gleichzeitig dem Messer zum Oper fallen und grossflächig Nahrungs- und Unterschlupfangebot verschwindet, vor allem für die Kleintierwelt eine eigentliche Katastrophe darstellt, darüber ist man sich heute weitgehend einig. Auch für viele Bauern ist diese Regelung ein Dorn im Auge. Kommt dazu, dass der festgelegte Schnittzeitpunkt für einige Wiesen oder in einigen Jahren zu früh, für andere zu spät ist. Denn die Vielfalt der Bedingungen und Witterungsunterschiede lassen sich nicht mit einem Termin unter einen Hut bringen. Der Vorteil der Schnittzeitpunktregeleung liegt vor allem in ihrer guten Kontrollierbarkeit. AgriKuuL hat deshalb eine biologisch bessere und für die Landwirte attraktive Alternative entwickelt und seit 2002 ausgetestet. Statt Schnittzeitpunkte werden Ziele vorgegeben, Leitarten für die Beurteilung der Bestandesreife definiert oder festgelegt, dass immer ein Streifen auf der Wiese selber oder in maximal 50 m Abstand in der Umgebung zum Absamen und vor allem als Nahrungsangebot und Unterschlupf für die Tierwelt nicht gemäht, sondern bis zum nächsten Schnitt stehen bleiben muss. Wie dieses Ziele erreicht werden, ist ganz den Bewirtschaftern überlassen. Aufgrund der guten Erfahrungen wurde die Regelung in leicht angepasster Form bereits in verschiedenen Vernetzungsprojekten eingeführt, sie floss auch in Vorschläge ein, die auf Bundesebene erarbeitet werden für eine Flexibilisierung des Schnittzeitpunktes (Direktzahlungsverordnung), und der Kanton Zürich empfiehlt seit kurzem offiziell die AgriKuuL-Regelungen für alle Vernetzungsprojekte.

Statt viele nur noch ein Bewirtschaftungsvertrag

Die vielen parzellenbezogenen Bewirtschaftungsrichtlinien und Naturschutzverträge bringen nicht nur einen erheblichen Papierkram für die Betriebe mit sich, sondern sind mit ihrer Vielzahl unterschiedlicher Vorschriften auch oft schwer umzusetzen. AgriKuuL entwickelte eine Zertifizierung der Betriebe, innerhalb derer die Einzelvorschriften durch einen gesamtbetrieblichen, stark vereinfachten Vertrag abgelöst werden könnten. Die Zertifizierung umfasst grundlegende ökologische Prinzipien und biologische/landschaftsästhetische Wirkungsziele, welche auf dem ganzen Betrieb zu erfüllen sind. Es werden zwei Anforderungsstufen angeboten. Betriebe mit Anforderungsstufe 2 verpflichten sich, ihren Betrieb auf Maximalleistungen für die Erhaltung und Entwicklung von Natur und Landschaft auszurichten.

Holunderproduktion in Hecken

Zusammen mit Ricola wurde ein Pilotprojekt gestartet, in dem Versucht wird, die Holunderblütenproduktion in artenreiche Hecken zu integrieren.

Ausbildung

Die Betriebesleiterfamilien werden durch das Projekt AgriKuuL im Bereich Natur, Landschaft und Agrikultur professionell ausgebildet. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, dass die neuen Freiräume im Ökoausgleich professionell genutzt werden. Jedes Jahr werden Kurse zu Schwerpunktthemen angeboten, und die Betriebsleiterfamilien haben sich verpflichtet, eine bestimmte Anzahl Tage in diese Weiterbildung zu investieren. Ein Team von Agronomen und Biologinnen begleitet und berät die Bauern und Bäuerinnen bei der Umsetzung. Ziel ist dabei, nicht nur die Leistungen für Natur und Landschaft, sondern gleichzeitig auch die wirtschaftlichen Perspektiven der Betriebe zu verbessern.

Lebhäge

Auf vielen Betrieben wurden Stacheldrahtzäune durch Lebhäge - Dornenhecken - ersetzt. Die Sträucher stammen aus verbuschenden Weiden, so dass die Heckenpflanzung zugleich zur Weidesanierung beitrug.

Holzzäune

Nagel- und drahtfreie Holzzäune sind in der Schweiz fast völlig verschwunden. Noch im vorletzten Jahrhundert exisiterte eine faszinierende Vielzahl verschiedener Typen. Durch ihre Form waren sie ein wichtiges Landschaftselement. In Kursen werden die alten Techniken wieder vermittelt und sollen, wo sinnvoll und vom Arbeitsaufwand her tragbar, wieder zum Einsatz kommen. Mehr erfahren Sie hier.


Preis "Die Goldene Lerche"

Der ehrenvolle Preis der MUT-Stiftung und der Schweizerischen Vogelwarte Sempach wurde so begründet: "Nach Ansicht der Juri zeigt das Projekt als überzeugendes Beispiel, wie mit Leistungen für Natur und Landschaft die Landwirtschaft im Grossraum Zürich konkurrenzfähig bleiben kann. Dem zweifellos innovativen Konzept kommt insbesondere zugute, dass das Projekt professionell und mit gesamtbetrieblichen Ansatz aufgezogen wurde, dass es finanziell gut abgesichert ist und dass mit dem Entwicklungspotenzial zum Landschaftspark regionale und sogar nationale Auswirkungen möglich sind."












 
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